Betreuung von Schwangeren mit Typ-1-Diabetes
Bereits vor Eintritt der Schwangerschaft sollte eine so genannte intensivierte Insulintherapie durchgeführt werden. Damit lässt sich eine Optimierung der Blutzucker-Einstellung erreichen, die bereits zum Zeitpunkt der Empfängnis extrem wichtig ist. Eine gute Planung der Schwangerschaft ist hier unabdingbare Voraussetzung. Lässt sich der Blutzucker mit einer "Mehrspritzen-Therapie" nicht in den gewünschten Bereich bringen, kommt die Insulinpumpe zum Einsatz. Die Schwangere sollte 6 bis 8 mal pro Tag ihren Blutzucker kontrollieren, jeweils vor und 90 Minuten nach den Hauptmahlzeiten und vor dem Schlafengehen. Auch sollte 1 bis 2 mal in 14 Tagen der Blutzucker nachts kontrolliert werden, um nächtliche Unterzuckerungen auszuschließen. Der mittlere selbst gemessene Blutzucker sollte zwischen 80 und 100 mg/dl liegen. Das angestrebte HbA1c liegt in der ersten Schwangerschaftshälfte im oberen Normbereich, in der zweiten Schwangerschaftshälfte im mittleren bis unteren Normbereich. Des Weiteren sollte eine Kontrolle des Acetons im Nachturin erfolgen, wobei ein positiver Nachweis für die Entwicklung des Kindes negativ sein kann.
Für Diabetikerinnen in der Schwangerschaft und in der Stillzeit ist es sehr wichtig sich ausgewogen zu ernähren. Die ausgewogene Ernährung beginnt bei der richtigen Energiemenge. Bei Normalgewicht vor der Schwangerschaft liegt der Energiebedarf in den ersten 3 Monaten bei 30 kcal/kg. Ab dem 4. Schwangerschaftsmonat ist eine Zulage von 250 kcal/Tag erforderlich. Auch bei übergewichtigen Schwangeren sollte wegen der Gefahr einer Hungerazidose keine Reduktionskost eingeleitet werden.
Spritzt die Diabetikerin so genanntes Analoginsulin ("Kunstinsulin") muss eine individuelle Beratung und Aufklärung erfolgen. Zu diesen Insulinen gibt es in der Schwangerschaft bisher wenig Erfahrung, die Unschädlichkeit für die Frucht ist (noch) nicht zweifelsfrei erbracht. Die Betreuung sollte im 2- bis 4-wöchentlichen Abstand in einem diabetologisch-endokrinologischen Zentrum erfolgen. Es werden dann Blutzuckertagesprofile besprochen; HbA1c, Blutdruck und Körpergewicht werden kontrolliert. In jedem Schwangerschaftsdrittel wird der Augenhintergrund untersucht. Auch sollte die Kontrolle der Eiweißausscheidung im Urin erfolgen. Die spezialisierte geburtshilfliche Betreuung sieht eine mindestens 4-wöchentliche ambulante Vorstellung beim Gynäkologen vor, mit einer Ultraschalluntersuchung vor der 16. Schwangerschaftswoche und einer zwischen der 20. und 22. Schwangerschaftswoche. Bei der letztgenannten Untersuchung wird besonders auf Fehlbildungen geachtet. Ab der 23. Schwangerschaftswoche wird dann auch die mögliche Wehentätigkeit engmaschig untersucht. Wurde früher eine Einleitung der Geburt aus Angst vor Komplikationen weit vor dem errechneten Termin angestrebt, kann heute bei optimaler Stoffwechseleinstellung eine Entbindung zum vorgesehenen Termin angestrebt werden.
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